Es existiert keine originale Fiedel, die als eins-zu-eins-Vorlage für eine getreue Kopie dienen könnte. Ich habe verschiedene historische Abbildungen herangezogen, um die Aussenform meiner Fiedel zu entwickeln.
Die Fiedel wurde ohne Stimmstock und Bassbalken ausgeführt. Als statische Konstruktion kommen Querbalken (quer zur Masserung) an der Unterseite der flachen Decke zum Einsatz.
Mittelalterliche Fideln besaßen keine standardisierte Stimmung, wurden jedoch meistens in flexiblen Quart- und Quintabständen gestimmt. Da es im Mittelalter noch keinen einheitlichen Kammerton gab, richtete sich die absolute Tonhöhe meist nach der Singstimme, die begleitet werden sollte.
4- und 5-saitige Fideln (Hoch- und Spätmittelalter): Hier mischten sich Quarten und Quinten, oft ergänzt durch eine Terz. Ein historisch verbrieftes System des Musiktheoretikers Hieronymus von Moravia (13. Jahrhundert) sah für eine 5-saitige Fidel beispielsweise die Stimmung d–g–g–d'–d' (mit Bordunen) oder G–d–a–d'–g'
Die Besaitung war natürlich vollkommen in Darm.
Der Gebrauch der Fidel erstreckte sich über mehrere Jahrhunderte. Sie galt als das wichtigste gestrichene Saiteninstrument des Mittelalters. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde sie von der neu aufkommenden Viola da Gamba (um 1470) sowie der aus der Fidel hervorgegangenen Viola da Braccio (um 1530) abgelöst.
Historische Fiedeln besaßen weder eine gewölbte - geschnitzte Decke, noch einen Stimmstock und einen Bassbalken wie unsere "modernen" Streichinstrumente. Die Wissenschaft geht davon aus, dass der Stimmstock erst in der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. aufgekommen ist. Die Anwendung des vertikalen Bassbalkens (parallel zur Holzmaserung) ist eng mit der Anwendung des Stimmstocks verbunden.
Es steht somit fest, dass Fideln niemals über eine Stimmstockkonstruktion verfügten.
Bei einem Streichinstrument erzeugt eine Deckenkonstruktion ohne Stimmstock einen deutlich anderen Klang als eine mit Stimmstock.
Abbildungen zufolge besaßen Fideln eine flache Decke (nicht gewölbte-geschnitzte) - vergleichbar mit den Decken von Zupfinstrumenten aus derselben Zeit. Als statische Konstruktion wurden bei mittelalterliche Lauten und Zupfinstrumente mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durchgehende Querbalken an der Unterseite der flachen Decke angewendet. (Es gibt leider keine im Ganzen erhaltenen Zupfinstrumente aus dieser Zeit.)